
Text und Fotos: Gaby Jacquemoth:
„Klosterfamilie“ erfüllt Ort von Kirche mit Leben
Teil vier unserer Sommer-Serie berichtet, wie sich bei einem Besuch im Kloster Heilig Kreuz Püttlingen spirituelle Erfahrungen mit Wander- und Pilgererlebnissen kombinieren lassen.
„Schwester Mercy, wo kann ich die Tischdecken ablegen?“ Eine ältere Dame trägt zwei große Tüten ins Kloster. Sie ist eine von vielen Ehrenamtlichen. Freundlich antwortet Sr. Mercy: Gleich kümmert sie sich um das Anliegen. Die Oberin im Kloster Heilig Kreuz Püttlingen ist stets ansprechbar und überall präsent, ob im Klosterladen oder in der Hostienbäckerei. Dort hat sie vor ein paar Minuten gerade Margret Pohl und Monika Ochs begrüßt. Vor den zwei Frauen stehen Körbe mit frisch ausgestanzten Hostien. Die Beiden schauen sich jede Hostie ganz genau an: Ihre Aufgabe ist es zu sortieren, das heißt, sie legen gebrochene Hostien zur Seite. Die wandern dann als Paniermehl „PanaGusta“ oder Knabber-Gebäck in den Klosterladen. „Wir helfen gerne“, sagen die beiden Frauen, die sich auch in ihrer Pfarrei Heilig Kreuz Schwalbach engagieren. „Und wir machen immer alles gemeinsam“, sagt Monika Ochs schmunzelnd.
Wie schafft das Kloster es in der heutigen Zeit, dauerhaft rund 130 Frauen und Männer als Ehrenamtliche zu motivieren? Sr. Mercy hat eine überzeugende Antwort: “Wir sind hier eine echte Klosterfamilie.“ Viele Menschen suchten einen Halt oder eine geistliche Verbindung. Die fänden sie hier. Jeden Monat treffen sich die Ehrenamtlichen und Freunde des Klosters zum Dank-Gottesdienst oder sehen sich bei Veranstaltungen. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass hier ein besonderer Ort von Kirche und Glauben lebendig bleibt.
Mit Leben erfüllen ihn die Ordensschwestern, die Freunde und Ehrenamtlichen und die vielen Besucher. Das Kloster und das Geistliche Zentrum brauchen viele helfende Hände: in den Gartenanlagen, an der Pforte, im Klosterladen, in der Verwaltung oder Öffentlichkeitsarbeit. Die aktiven Ehrenamtlichen arbeiten im Verbund mit dem Verein Heilig Kreuz e.V., der den organisatorischen Rahmen bildet, und dem Freundeskreis. Ein echtes, gewachsenes Netzwerk ist das. Es hat eine lange Tradition. Engagement und Verbundenheit zu „ihrem Kloster“ ist bei den Menschen in Püttlingen und Umgebung stark verwurzelt. Die Bindungen gehen zurück bis ins Jahr 1956, als der Grundstein für ein neues Kloster der Redemptoristinnen gelegt wurde. Viele Frauen und Männer kamen damals als Freiwillige nach Püttlingen und bauten zusammen mit Architekten und Firmen das Klostergebäude und die Kirche auf. Am 9. Juni 1958 konnte der aus Püttlingen stammende Bischof Josef Clemens Maurer, der spätere erste Kardinal Boliviens, das Kloster einweihen, und 1960 war auch mit der Klosterkirche der Bau der Klosteranlage abgeschlossen. Für die Gestaltung der modernen Kirche zeichnete der Künstler und Architekt György Lehoczky verantwortlich, der die Kirche mit Glasmalereien ausstattete, alles ohne Honorar. Die moderne Kirche strahlt mit den bunten Glasfenstern Ruhe und Geborgenheit aus. Der Blick geht sofort zu der Dreifaltigkeits-Darstellung über dem Altar, ebenfalls in Glaselementen.
Spuren Gottes im eigenen Leben suchen
Mit der Übernahme des Klosters 2014 durch die Nazareth-Schwestern aus dem indischen Bundesstaat Kerala begann eine neue Ära. Das Kloster Heilig Kreuz ist das Diözesanzentrum und der Hauptsitz des Ordens in Deutschland. Im Saarland ist die Ordensgemeinschaft außerdem in Saarbrücken und St. Wendel tätig; in Püttlingen leben sechs indische Schwestern. Als einzige noch verbliebene Redemptoristin lebt Sr. Pia mit ihnen. Zur Gemeinschaft der Redemptoristinnen gehörte übrigens auch eine Tante des Fernsehmoderators Thomas Gottschalk, Schwester Hildegard.
Das Geistliche Zentrum wird getragen vom Kloster. Ein umfangreiches Jahresprogramm mit Veranstaltungen, von Einkehrtagen bis zu Gesprächs-, Gebets- und Pilgerangeboten spricht viele Menschen an. Das Programm spiegelt die Kreativität vieler Gruppen und Einzelpersonen, die es gemeinsam erstellen. Es geht um Begegnungen mit Gott, die Suche nach Spuren Gottes im eigenen Leben und Sinnsuche. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die „Oasentage“ für Pflegekräfte. Das Zentrum ist über die Person des Rektors, Pfarrer Hans-Georg Müller, eng verbunden mit dem Pastoralen Raum Saarlouis und der Pfarrei Schwalbach Heilig Kreuz; mit dem Pastoralen Raum Völklingen sowie mit weiteren Pfarreien und kirchlichen Gruppierungen bestehen Kooperationen. Dank dieses Netzwerkes findet in der Klosterkirche täglich eine Hl. Messe statt– immer gut besucht, wie Sr. Mercy berichtet.
PanaGusta und Pilgerwein
Das Kloster steht aber auch voll im Leben und in der Arbeit. Da ist zum Beispiel der Klosterladen. Der Besucher findet dort viele von Hand gefertigte Dinge: Kerzen, Schmuck und kleine Statuen, feine Seidenschals, Tee und Gewürze aus Kerala, der Heimat der indischen Ordensschwestern. Es gibt sogar einen „Pilgerwein“ für durstige Jakobspilger. Der Verkaufserlös fließt in das Kloster und in soziale Projekte in Kerala.
Für ein herzliches Willkommen sorgt Jacqueline Lackes. „Ich bin noch Frischling“, sagt sie. Sie ist erst seit kurzem als Ehrenamtliche dabei, fühlt sich aber sichtlich wohl. Das macht sie gemeinsam mit ihrem Mann Patric: Er schwirrt überall in Kloster und Kirche herum, beklebt PanaGusta-Tüten mit Etiketten oder hilft beim Backen in der Hostienbäckerei.
Hostienbäckerei hat hohe Nachfrage
Dort werden immer helfende Hände gebraucht, denn die Püttlinger Hostienbäckerei hat eine hohe Nachfrage. Sie ist die einzige im Bistum Trier und in ganz Südwestdeutschland. Alle sechs Wochen werden der riesige Rührquirl und die Backmaschine angeworfen, und dann wird 14 Tage lang gerührt, gepresst, gestanzt, sortiert und verpackt. Weizenmehl und Wasser sind die einzigen Zutaten. Die zunächst noch trockenen und brüchigen Teigplatten müssen auf Gestelle verfrachtet und „im Bunker“ befeuchtet werden, bevor Ehrenamtliche die Stanzmaschine bedienen und die Hostien in drei Größen ausstanzen können. Dann beginnt die Arbeit der Sortiererinnen. Wohl kaum ein Besucher der Heilgen Messe macht sich viele Gedanken darüber, wie viele Arbeitsschritte in der Hostienproduktion stecken. Alles wird hier von Hand sorgfältig gefertigt. Um das zu zeigen, ist die Bäckerei auch nach Vereinbarung für Besucher geöffnet. „Jedes Jahr kommen etwa 50 Gruppen von Kommunionkindern, manchmal auch Schulklassen, zu uns“, berichtet Sr. Mercy. „Das ist auch Frohe Botschaft.“
Das Kloster ist eingebettet in eine schattige Grünanlage mit alten Bäumen, einem Kreuzweg und der alten Kreuzkapelle aus dem 16. Jahrhundert, die von der Pfarrei Püttlingen betreut wird. Auf dem Klostergelände stehen ein riesiges Kreuz und ein wuchtiger Altar, den die Erwerbslosenselbsthilfe Püttlingen gefertigt hat. „Das ist unser Corona-Altar, aus der Zeit, als wir nur im Freien Messen feiern durften“, sagt Sr. Mercy. Auch jetzt noch finden Gottesdienste dort in der Natur statt. Eine Muschel am Boden weist darauf hin, dass hier der Jakobsweg nach Santiago de Compostela vorbeiläuft. Interessant ist auch der am Kloster vorbeiführende Teil des europäischen „Sternenweges/Chemin des étoiles“ (siehe Stichwort).
Auf nur ein paar Kilometern Distanz lassen sich hier spirituelle Anstöße und Wander- oder Pilgererlebnis miteinander verbinden. Und mit dem Wildpark Völklingen liegt gleich nebenan eine Attraktion für Familien mit Kindern. Das weitläufige Wildgehege lädt zum gemütlichen Spaziergang ein, Tierbeobachtung inklusive. Oder auch direkte Tierbegegnung: Neugierig und offensichtlich hungrig strecken Rehe ihre Köpfe durch den Zaun – ein Fest für die Kinder, die ihnen Futter aus dem Futterautomaten geben.
Viele Infos zur Geschichte, geistlichen Angeboten und den Öffnungszeiten des Klosterladens finden sich auf der Website des Klosters Heilig Kreuz: https://www.kloster-heilig-kreuz.de/
Stichwort
Der Europäische Sternenweg ist ein europäisches Modellprojekt. Er nimmt symbolisch Bezug auf die Milchstraße, die im frühen Mittelalter den Jakobspilgern als Orientierungshilfe auf ihrer Wegsuche zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela diente. Der Weg verbindet markante Städte und Kulturdenkmäler. Er verläuft durch das Saarland, Rheinland-Pfalz, Lothringen und das Elsass.
Wildparks und Zoos im Saarland: https://www.urlaub.saarland/aktivitaeten-erlebnisse/ausflugsziele-im-saarland/wildparks-zoos
Tipp „Beitrag aus christlicher Sicht“ vom 9. Oktober 2025: Besuch in der Hostienbäckerei https://www.ardmediathek.de/video/aus-christlicher-sicht/aus-christlicher-sicht-09-10-2025/sr/Y3JpZDovL3NyLW9ubGluZS5kZS9BQ1NfMTU5MDcz
Zum Artikel: https://www.kloster-heilig-kreuz.de/wp-content/uploads/2026/08/Paulinus-23.08.2026.pdf